Sechs Tipps für Silvester mit der Katze und der „Problemkatze“

Silvester ist für Katzen und ihre Menschen oft eine Zeit der Angst und Sorge. Silvester mit der „Problemkatze“ umso mehr. Denn falsches Verhalten des Menschen kann die Probleme mit der Katze nur noch verstärken. Deshalb hier ein paar Tipps für Ihre Silvester-Planung mit Ihrer Katze.

 

Das Knallen der Silvesterböller ist für Katzen eine Qual. Nicht nur ist es unendlich laut und sie erschrecken sich immer wieder. Das Knallen bedeutet für sie immer auch: Höchste Gefahr! Fliehen! Sie sehen sich zu Silvester stundenlang einer Gefahr ausgesetzt, der sie dann aber nicht entfliehen können, denn der Krach ist ja überall. Dieser Stress setzt den Tieren enorm zu.

Keine Beruhigungsmittel

Viele denken, wenn Sie ihrer Katze ein Beruhigungsmittel geben, dann verschläft sie die ganze Aufregung. Das stimmt so aber nicht. Denn das Beruhigungsmittel macht sie ja nicht taub, sondern entspannt ihre Muskeln und reduziert ihre Reaktionsfähigkeit. Ihre Sinne reagieren aber immer noch, wenn auch langsamer. Sie würden gerne fliehen, können aber nicht, weil der Körper nicht so gehorcht wie er sollte – eine furchtbare Situation für ein Fluchttier. Deshalb sollten Sie einer Freigängerin niemals ein Beruhigungsmittel geben und sie dann nach draußen lassen.

Ich bin auch nicht automatisch dafür, eine Freigängerkatze auf jeden Fall zu Silvester einzusperren, denn Katzen haben meistens einen sehr guten Instinkt dafür, wo sie sicher sind. Manche Katzen fühlen sich draußen wesentlich sicherer als in einer Wohnung – denn draußen können sie bei Gefahr fliehen, in der Wohnung nicht. Wenn Sie allerdings an belebten Straßen wohnen und die realistische Gefahr besteht, dass Ihre Katze unters Auto kommt, wenn sie panisch vor dem Knallen flieht, kann es natürlich besser sein, sie in der Wohnung zu behalten. Zumal das Knallen in der Wohnung (wenn Sie die Fenster geschlossen halten) gedämmt ist – der Krach also einen Hauch leiser am Katzenohr ankommt.

Auch Wohnungskatzen sollten nicht automatisch mit medizinischer Hilfe ruhigstellt werden. Was Sie aber in jedem Fall noch für Ihr Tier tun können, schildere ich in den folgenden beiden Punkten.

Schaffen Sie einen Rückzugsraum für die Katze

Wenn Sie nicht sowieso schon Rückzugsräume für Ihre Katze haben, sollten Sie sie jetzt schaffen. Gemütliche Ecken, in denen sie sich gerne einkuschelt und schläft: Kartons mit einem Kissen, ein Kissen in einem freien Regalstück (Achtung: das Regal muss oben an der Wand befestigt sein, damit es nicht bei Bewegungen kippt), ein Plätzchen auf dem Bett oder dort, wo sie ungestört ist, sind gute Orte für eine ängstliche und Problemkatze. Lassen Sie diese Orte frei zugänglich für das Tier, auch wenn Sie Besuch haben. Teilen Sie all Ihren Gästen mit, dass ein bestimmter Raum an diesem Abend tabu ist, damit die Katze dort ihre Ruhe haben kann.

Entspannen Sie sich und bleiben Sie ruhig

Katzen spüren sofort, wenn ihr Mensch unruhig wird. Diese Unruhe überträgt sich meistens auch auf das Tier und kommt zu dessen eigener Unruhe noch hinzu. Bleiben Sie deshalb an Silvester ganz ruhig, entspannen Sie sich ganz bewusst, machen Sie langsame, ruhige Bewegungen und vermeiden Sie laute und hämmernde Musik, Gejohle und lautes Gejubel, wenn es Mitternacht schlägt.

Achten Sie darauf, dass Sie auch dann noch bewusst entspannt und ruhig bleiben, je näher es auf Mitternacht zugeht. Schauen Sie nicht dauernd aus dem Fenster, werden Sie nicht hektisch, sondern atmen Sie immer wieder ganz bewusst dreimal tief ein und aus. Schließen Sie dabei ruhig die Augen und konzentrieren Sie sich auf das Atmen. Das alleine kann schon eine große Hilfe beim Entspannen sein.

Beschäftigen Sie die Katze aktiv

Was vielen Problemkatzen hilft, sich während des Geböllers der Silvesterraketen ein wenig zu entspannen, ist, ihre Aufmerksamkeit von dem Lärm abzuwenden. Sollte sie schlafen, wecken Sie sie nicht, aber behalten Sie sie im Auge für den Fall, dass sie aufwacht und Angst bekommt.

Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Katze, aber texten Sie sie nicht den ganzen Abend zu – wenn Sie zu viel auf sie einreden, dann stresst das das Tier noch mehr. Reden Sie, wenn überhaupt, nur ganz wenig mit ihr, am besten nur dann, wenn Sie sie zum Spiel auffordern oder loben möchten.

Spielen Sie Spiele mit der Katze, solange sie Lust dazu hat. Machen Sie auch Ihre sonstigen Übungen mit ihr. Übertreiben Sie es aber nicht, indem Sie die Katze, die vielleicht erschrocken oder gelangweilt wegläuft oder auch nur in eine andere Richtung schaut, zurückholen und sie dazu zwingen, Ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Sollte sie kein Interesse an Ihnen und Ihrer Spielaufforderung haben, versuchen Sie es mal damit, ein Leckerli durch das Zimmer zu werfen, das die Katze sich holen soll. Häufig haben Sie damit sofort ihre Aufmerksamkeit geweckt.

Hat die Katze genug von einem Spiel, pausieren Sie eine Weile. Bieten Sie ihr dann erneut ein (anderes) Spiel an. Wenn sie darauf anspringt, prima. Wenn nicht, versuchen Sie nicht, sie zum Spielen zu zwingen. Bieten Sie es ihr aber ab und zu wieder an.

Bleibt sie ruhig, loben Sie sie sofort

Wenn es dann draußen knallt und böllert, die Katze nun aber ruhig bleibt oder sich nur kurz ablenken lässt, dann aber wieder auf das Spiel konzentriert, loben Sie sie sofort, geben Sie ihr ein Leckerli und streicheln Sie sie. Wichtig ist hier das Timing – es knallt, Katze bleibt ruhig, Loben. Lassen Sie keine Sekunde verstreichen, sondern loben Sie grundsätzlich sofort!

Wenn es sein muss, bleiben Sie bis vier Uhr morgens bei ihr sitzen, um ruhig und besonnen auf ihre Angst reagieren zu können. Oder sie mit Leckerli zu belohnen, wenn sie weiterhin ruhig bleibt. Bleibt sie immer öfter cool, können Sie zwischen Loben mit Leckerli und Streicheln und Loben mit Streicheln, aber ohne Leckerli abwechseln und die Abstände der Leckerligaben auf diese Weise langsam erhöhen. Mit der Zeit genügt es dann schon, einfach nur zu loben, damit die Katze weiß: Aha, ich habe alles richtig gemacht!

So lernt Ihre Katze mit der Zeit, dass ihr das Geböller gar nicht gefährlich wird, sondern dass es im Gegenteil bedeutet, dass sie ganz viel Aufmerksamkeit bekommt, dass es etwas Leckeres dazu gibt, und dass sie bei Ihnen sicher ist. Gerade dieses Gefühl, dass sie bei Ihnen sicher ist, dass sie Ihnen und Ihrem Urteil, Ihrer Einschätzung des Krachs vertrauen kann, ist das wichtigste für eine Problemkatze, die sonst nur Angst hat, sich alleine oder eingesperrt fühlt und deshalb auf für den Menschen problematisches Verhalten zurückgreifen muss.

Haben Sie Geduld mit Ihrer Katze (und sich selbst)

Verzagen Sie nicht, wenn es dieses Silvester noch nicht so recht geklappt hat. Bei manchen Katzen sitzen Angst und problematische Verhaltensweisen so tief, dass es lange dauern kann, bis diese Katzen sich entspannen und Ihnen vertrauen können. Üben Sie einfach weiter mit ihr, jeden einzelnen Tag, nicht nur bei Krach oder an Silvester.

Und betrachten Sie jede neue Übungssequenz mit ihr als Gelegenheit, auch Ihre eigene Beobachtungsgabe zu schärfen, Ihre Interpretation der Signale der Katze zu verbessern und Ihr eigenes Verhalten der Katze gegenüber zu optimieren.

Viele weitere Tipps für den Alltag mit Ihrer „Problemkatze“ finden Sie in meinem Buch „Die Problemkatze. Einfache Schritte zur Besserung häufiger Verhaltensauffälligkeiten“.

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