Umziehen mit der „Problemkatze“

Umziehen mit der „Problemkatze“ kann ein Alptraum werden – nicht nur für Menschen, auch für ihre Katzen. Selbst tiefenentspannte Katzen können dadurch ziemlich durch den Wind sein. Katzen, die Probleme machen, aber erst recht. Bettina E. hatte sich mein Buch „Die Problemkatze“ gekauft, und hat mir jetzt ihre Erfahrungen geschildert:

Ich habe eine Katze, Pauline, die sich kaum berühren lässt und schon gar nicht freiwillig in den Katzenkorb klettert. Früher haben wir das mit Lederhandschuhen und einem Überraschungsgriff geschafft, wenn sie geschlafen oder gedöst hatte. Und sie dann mit viel Mühe und Kampf in den Katzenkorb gesetzt. Auf der Fahrt zum Tierarzt hat sie dann permanent miaut, dass es uns immer das Herz zerrissen hat. Dass sie uns hinterher noch weniger vertraut hat, ist klar. Dass es grundfalsch war, was wir gemacht haben, weiß ich heute. Es hat dann auch immer ein paar Tage gedauert, bis sie sich wenigstens mit Leckerli locken ließ.

Deshalb habe ich mir das Buch „Die Problemkatze“ besorgt und ungefähr vier Monate vor dem Umzug angefangen, mit Pauline zu üben. Was habe ich gemacht?

  1. Ich habe einen ganz neuen Katzenkorb gekauft, der nicht so eng war und in dem Pauline im Stehen einen Buckel machen konnte, ohne oben anzustoßen. Der Umzug ging nämlich in einen sechs Stunden entfernten Ort – da sollte sie die Möglichkeit haben, aufzustehen und sich nach ein bisschen Strecken anders hinzulegen.
  2. Der Korb hatte über diese Monate einen festen Standort mitten im Wohnzimmer, damit sie sich an ihn gewöhnen konnte. Ich habe ein weiches Tuch mit doppelseitigem Klebeband drinnen befestigt, damit Pauline lernt, dass so ein Korb auch ganz gemütlich sein kann, dass Hinlegen gar nicht so unangenehm wäre.
  3. Der neue Korb war ihr erst etwas unheimlich, aber er roch nicht nach alten schlechten Erfahrungen. Deshalb hat sie sich relativ schnell getraut, ihn zu betreten.
  4. Dazu beigetragen haben viele Leckerli, die ich ihr erst zum Fangen quer durchs Zimmer geworfen habe. Dann haben wir uns nach und nach mit den Leckerli dem Korb angenähert.
  5. Irgendwann habe ich die Leckerli nur noch in den Korb hineingeworfen, und Pauline hat sie nicht mehr dort herausgeholt, sondern drinnen gefressen. Ab da hat sie mit jedem Leckerli auch ein aufmunterndes Lob bekommen.
  6. Wir haben jeden Tag zwei- bis dreimal geübt, in den Korb zu gehen, morgens, mittags und abends.
  7. Dann habe ich nach ungefähr einer Woche angefangen, die Tür zum Katzenkorb locker zuzumachen. Am Anfang habe ich sie immer sofort wieder aufgemacht, damit Pauline wusste: Aha, Tür zu ist nicht schlimm, ich kann ja gleich wieder raus. Als Dankeschön fürs Ruhigbleiben gab’s da natürlich auch immer ein Leckerli. 🙂
  8. Als sie sich daran gewöhnt hatte, dass die Tür jedesmal zuging, habe ich die Tür richtig verriegelt und Pauline dann ein Leckerli durch das Gitter zugesteckt. Sie hat am Anfang gezögert, aber dann war es nach ein bisschen Übung ganz okay für sie. Ich habe sie da drin aber nie alleine gelassen, ich war immer bei ihr.
  9. Dann habe ich den Korb mit Pauline drin (Tür verriegelt) kurz hochgehoben, wieder abgesetzt, Leckerli gegeben, Tür sofort geöffnet, damit sie raus konnte. Das habe ich erst immer nur einmal gemacht, dann zwei-, dreimal hintereinander. Bald musste ich die Tür gar nicht mehr aufmachen, weil sie drinnen sitzen blieb und auf ihre Belohnung wartete, die dann auch immer kam. 😉
  10. Am Schluss habe ich dann immer nochmal ein letztes Leckerli in den Korb geworfen, ohne das Gitter zu schließen – so hat sie gelernt: Am Ende bleibt immer die Tür auf und ich bleibe frei. Ich kann mich also entspannen!
  11. Immer, wenn ich das Gefühl hatte, Pauline kam mit dem nächsten klitzekleinen Schritt gut klar, habe ich einen neuen Schritt gemacht. Als nächstes habe ich den Korb hochgehoben und bin ein paar Schritte gegangen, habe den Korb wieder abgesetzt und ihr ein Leckerli gegeben. Dann sind wir wieder zurück an den festen Platz für den Korb gegangen, Korb abgesetzt, Leckerli gegeben, gelobt, Tür aufgemacht.
  12. Als sie sich immer weiter tragen ließ und dabei ruhig blieb, weil sie ja wusste, dass es am Ende immer wieder ins Wohnzimmer zurück ging (und ein Leckerli und ein Lob dort auf sie warteten), haben wir es dann auch Schritt für Schritt nach draußen geschafft. Bei jedem neuen Schritt hat sie immer ein Leckerli & Lob bekommen.
  13. Nach ein paar Wochen sind wir ins Auto gegangen, aber auch nur Schritt für Schritt, weil sie den Autogeruch ja bisher mit der Fahrt zum Tierarzt verbunden hatte. Also erst mal Korb kurz auf den Sitz gestellt, Leckerli & Lob, dann wieder ins Wohnzimmer zurück. Einen Tag später dann den Korb etwas länger auf den Sitz gestellt. Einen Tag später den Sicherheitsgurt draufgelegt und festgemacht. Dann einen Tag später die Autotür zugemacht und mich selbst neben sie gesetzt. Der Korb stand so, dass sie mich durch das Gitter immer sehen konnte (und ich ihr auch Leckerli zustecken konnte).
  14. So ging das weiter, bis ich nach ungefähr zwei Wochen mal den Motor angelassen habe. Gleich wieder ausgemacht, Pauline gelobt, Leckerli gegeben, Korb wieder ins Wohnzimmer getragen.
  15. In den folgenden Tagen habe ich den Motor immer länger laufen lassen, damit sie lernt: Motor an ist gar nicht schlimm. Dann die gleiche Prozedur mit Leckerli & Loben und immer wieder Zurücktragen ins Wohnzimmer.
  16. Bis ich schließlich mal mit dem Auto ein paar Meter gefahren bin (aus der Garage raus auf die Straße und wieder rein in die Garage, dann Leckerli & Lob und Zurücktragen ins Wohnzimmer).
  17. Nach anderthalb Wochen sind wir dann schon die Straße einmal hoch und wieder runter gefahren (mit Lob und Leckerli während der Fahrt, weil Pauline nicht gemaunzt hat).
  18. Dann habe ich die Fahrtzeit verlängert, bis es ein paar Minuten waren. Aber die Zeit wurde bald knapp. Wir haben lange Fahrten (mehr als zehn Minuten) dann gar nicht mehr üben können, aber das war für Pauline trotzdem okay.
  19. Immer, wenn ich das Gefühl hatte, ich bin doch einen Schritt zu schnell vorgeprescht, sie kann das noch nicht ganz entspannt mitmachen, bin ich nochmal einen Schritt zurückgegangen und habe da wieder weitergemacht. Ich habe sie halt immer genau beobachtet, auch wie sie sich hinterher mir gegenüber verhält, ob sie sich sofort zurückzieht oder ob sie nochmal ankommt, weil sie hofft, dass doch noch ein Leckerli in den Korb fliegt. 🙂
  20. Nach vier Monaten kam dann der Umzug. Und was soll ich sagen: Pauline hat während der Fahrt fast die ganze Zeit geschlafen oder gedöst. Sie hat nur ungefähr einmal pro Stunde gemaunzt, dann ein Leckerli & Lob und beruhigende Worte bekommen, und dann hat sie sich wieder hingelegt.
  21. In der neuen Wohnung musste sie dann erst einmal den Tag über im Bad verbringen (wo ich ihr den Transportkorb, ihren eigenen Liegekorb, das Katzenklöchen, was zu fressen und Wasser hingestellt hatte), während die Umzugshelfer die Möbel aufstellten und die Kartons verteilten. Und Pauline hat die meiste Zeit ganz still im Transportkorb gelegen!
  22. Danach habe ich sie sogar schon nach zwei Tagen in den Garten lassen können, weil sie trotz des Chaos und der vielen Umzugskartons unfassbar entspannt war und unbedingt den neuen Garten kennenlernen wollte.
  23. Ich habe in den ersten Wochen aber immer noch viel mit ihr gespielt und mit Leckerli belohnt, wenn sie alles richtig gemacht hatte. Das Spielen hat sie dann aber bald schon nicht mehr interessiert. Der Garten war viel spannender. 🙂
  24. Mein Fazit ist: die Tipps von Merle Matthies waren Gold wert. Pauline ist heute unendlich viel entspannter und ruhiger als je zuvor, und sie lässt sich mittlerweile sogar fast überall berühren.

Liebe Bettina E.,

vielen Dank für diesen tollen Bericht! Ich freue mich riesig, dass Pauline und Sie diesen Umzug so fantastisch gemeistert haben! Klar, vier Monate vorher anfangen scheint erst mal eine irrsinnig lange Zeit. Aber wie wichtig das ist, zeigt ja das, was am Ende bei Ihnen herausgekommen ist: eine entspannte Katze, der der Umzugsstress offensichtlich nicht sehr viel ausgemacht hat und die jetzt viel mehr Vertrauen in Sie hat. Toll! Hoffentlich lesen das viele und machen es Ihnen dann nach.

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